Chronik St. Martinus

Gründung im Jahr 1952

Pater Paulus (+ 1990)

Die Gründung unseres Musikvereins stand im Jahre 1952 im engen Zusammenhang mit dem Anschluss der damaligen Selfkantgemeinde an die Niederlande nach dem 2. Weltkrieg.

Aus diesem Umstand ergab sich, dass im Jahre 1950 ein niederländischer Ordensgeistlicher namens Pater Paulus (+ 1990) in das damals 500-Seelen-Dorf Schalbruch kam, um in der hiesigen Kapelle die Messen zu lesen.

Bereits nach kurzer Zeit war dieser Geistliche mit Schalbruch eng verbunden, so dass er schnell die im Ort schon vorhandene Initiative aufgriff, neben dem bereits etablierten Trommler- und Pfeiferkorps auch einen Musikverein zu gründen; ein weitreichendes Vorhaben eines innerhalb der Pfarre Havert nicht unumstrittenen Mannes.

Eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ...

Dennoch, seine Vorstellung war es, den Schalbrucher Jugendlichen und Kindern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu geben, damit der Nachwuchs nicht auf „dumme Gedanken“ kommen konnte. Im übrigen entsprach es seiner persönlichen Anschauung, wonach zu einem kulturellen Dorfleben auch eine „Harmonie“ gehörte; etwas, was in seiner niederländischen Heimat selbstverständlich war.

Den Worten und Gedanken folgten schnell Taten. Bereits im Herbst 1952 zeigte sich eine kleine Gruppe musizierender Männer erstmals in der Öffentlichkeit, um bei der Goldhochzeit der Eheleute Matthias und Maria Elisabeth Deckers ein Ständchen zu spielen. Dieser Auftritt war für das Dorfleben eine kleine Sensation. Es spielte keine Rolle, ob nun richtig oder falsch gespielt wurde; man war einfach stolz, einen Musikverein im Ort zu haben.

Mit Hilfe des damaligen Kapellenvorstandes, dem die Herren Karl Deckers (+ 1999), Theodor Koken (+), Peter Küppers (+), Leonhard Neutgens (+) sowie Josef Pennartz (+ 1989) angehörten, war es in relativ kurzer Zeit gelungen, junge Männer mit ein wenig musikalischem Verständnis zu gewinnen sowie vereinzelt gebrauchte Instrumente und Noten zu erwerben. Auch der damalige Küster Heinrich Meuffels (+) sowie Michael Knarren (+) waren treibende Kräfte beim Werben von Mitgliedern und bei der Beschaffung der notwendigen, damals noch bescheidenen Gelder. Die theoretische Ausbildung und die in der Anfangszeit noch provisorischen Proben wurden von Hugo Welters (+) und Jakob Diecks (+ 1984) organisiert und durchgeführt; vorübergehend waren mit Willi Dahlmanns aus Koningsbosch (NL) und Martin Sentis aus Susteren (NL) auch auswärtige Musiklehrer für die Probearbeiten zuständig.

Die Männer der ersten Stunde ...

In den ersten Jahren nach der Gründung waren vor allen Dingen drei Männer für die Geschicke und die weitere Entwicklung des Vereins von Bedeutung: der bereits erwähnte Jakob Diecks (+), Fritz Steffens (+ 1980) und Theo Deckers (+ 1986). Jakob Diecks stand dem Verein fast 12 Jahre als Dirigent vor, bis im Jahre 1965 der Niederländer Martin Schmeits dieses Amt übernahm.

Fritz Steffens war eine Führungspersönlichkeit im Verein; ihm war es zu verdanken, dass der Verein eine schwere Existenzkrise Mitte der 70er Jahre überstehen und sich danach wieder positiv entwickeln konnte. Jakob Diecks und Fritz Steffens bildeten zudem über eine lange Zeit hinweg gemeinsam mit Theo Deckers das Gerüst des Vorstandes: Männer, die sich über Jahre hinweg in beispielloser Art und Weise dem Vereinsleben im Ort verpflichteten.

Die Männer der ersten Stunde ...

o.vlnr.: Martin Deckers, Peter Deckers, Anton Reyans, Hans Schneiders, Willi Köhnen, Martin Schmeits, Jakob Diecks (+), Theo Deckers (+), Fritz Steffens (+)

Namensänderung zu Ehren von Martin Schmeits ...

Unter der Leitung von Martin Schmeits, der das Dirigentenamt im Jahre 1965 übernahm und bis zum Jahre 1990 bekleidete, wurden stetig musikalische Fortschritte erzielt. Der damalige Dirigent ist auch heute noch Vereinsmitglied und kümmert sich, soweit es seine Gesundheit zulässt, noch immer um die musikalische Früherziehung von Nachwuchskräften. Aus einer obligatorischen Verbundenheit mit dem Verein wurde über die Jahre hinweg eine besondere Verbundenheit mit der Ortschaft Schalbruch und dem hiesigen Vereinsleben.

Der Name Martin Schmeits ist jedoch auch unter einem weiteren Gesichtspunkt brisant. Seit dem Jahre 1990 führt der Verein den Namenszusatz „St. Martinus“ in seinem Vereinsnamen; dies zu Ehren des Patrons Martinus und dem langjährigen Wirken eben dieses Mannes, Martin Schmeits. Mit der Übergabe des Dirigentenstabes am 27.10.1990 an den Nachfolger Pierre van Pol wurde Martin Schmeits die Eigenschaft eines Ehrendirigenten verliehen.

Zur modernen Konzertmusik ...

Übergabe Taktstock 1998

Martin Schmeits, Jan Vleugels, Pierre van Pol, Frank Deckers

Unter der Leitung des aus dem benachbarten Koningsbosch (NL) stammenden Pierre van Pol änderte der Verein seine musikalische Ausrichtung mehr hin zur modernen Konzertmusik, ohne jedoch seine Grundausrichtung als Bestandteil des kulturellen und kirchlichen Dorflebens aufzugeben. Pierre van Pol stand dem Verein insgesamt rund 8 Jahre als Dirigent vor, bis im November 1998 der Taktstock an Jan Vleugels aus Limbricht (NL) übergeben wurde, der auch heute noch aktiver Dirigent ist.

Das Jahr 1998 war nicht nur im musikalischen Bereich ein gewisser Umbruch. Auch in der Führung des Vereins tat sich einiges: Willi Köhnen, der im Jahre 1974 in einer damals für den Verein turbulenten Zeit das Amt des 1. Vorsitzenden übernommen hatte, dankte nach 24jähriger Tätigkeit ab; der heutige Ehrenvorsitzende übergab das Amt des 1. Vorsitzenden an Frank Deckers, der auch im Jubiläumsjahr den Vereinsvorsitz führt.

Aushängeschild für Schalbruch ...

Hatte der Verein Ende der 80er bzw. Anfang der 90er Jahre von der personellen Besetzung her seine Blütezeit, so ist es aktuell das musikalische Leistungsvermögen des nun etwas kleineren Musikvereins, das in seiner jungen Geschichte besticht. In 50 Jahren ändern sich halt die Zeiten.

Dennoch, heute wie gestern, ob diesseits oder jenseits der Ortsgrenzen: Der Musikverein St. Martinus ist nach wie vor eines der Aushängeschilder für unseren nicht mal so kleinen Selfkantort Schalbruch.

Ein Rückblick voller Stolz ...

Wir blicken voller Stolz auf ein Vereinsjubiläum zurück, das bereits im Jahr 2002 statt fand, jedoch im Jahr 2003 etwas zeitversetzt gemeinsam mit dem 90jährigen Bestehen der Schützenbruderschaft „ St. Peter u. Paul“ gefeiert wurde.

Eine 50jährige Vereinsgeschichte, die weniger von Höhen und Tiefen, mehr aber von besonderen Menschen erzählt.

(C) 1999-2019 Hans Mohren, Schalbruch